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Olympia@Cosmotourist: Boykott der Spiele?

Friday, May 23rd, 2008

Der Countdown läuft, die Olympischen Spiele 2008 rücken näher. Die Weltöffentlichkeit blickt nach China, in ein Land, das keine Pressefreiheit kennt und dennoch ein mediales Großereignis ausrichtet. Der Regierung in Peking ist die Kontolle über das Bild, das in der Öffentlichkeit entstehen soll, entglitten, Propaganda und Gegenpropaganda bestimmen die Diskussion. Doch wie kann sich ein reales Bild zusammensetzen? Auf Cosmotourist.de und hier im Blog streiten Chinareisende, Studenten aus Peking und in Peking, Sportinteressierte, Newbies und Discoverer über die Olympischen Spiele 2008.

DINAH / EXPLORER

ExplorerGlaubt ihr, dass die öffentliche Meinung tatsächlich Druck auf die chinesische Regierung ausüben kann, oder werden die Spiele nach ihrer Eröffnungsfeier (egal ob mit oder ohne Politiker) ihren gewohnt verlogenen Gang gehen?

WELTBUMMLER / EXPLORER

ExplorerIch denke, daß die Situation wieder einmal zeigt, das Profit und Macht die Welt regieren und nicht Einigkeit und gemeinsames Streben nach Frieden, was die Spiele eigentlich symbolisieren sollen, vor einigen Jahren hätte so ein Gesichtsverlust China vielleicht noch zum Umschwenken gebracht, aber aufgrund der wirtschaftlichen Vormarschstellung und der größeren Akzeptanz die China heute in der Weltöffentlichkeit besitzt, ist nicht davon auszugehen, daß eine Änderung eintritt und wohl damit zu rechnen, dass die Reden vom Frieden und Verständnis hohle Versprechungen bleiben werden.

STANDEPETRA / TOURIST

Verlogenheit ist ein gutes Stichwort. Bei den Olympischen Spielen geht es doch nie um Völkerverständigung und Frieden, sondern um Geschäfte, wie immer halt. Ein Beispiel: IOC-Vize Thomas Bach sitzt im Verwaltungsrat der Siemens Schweiz AG, die den neuen Olympia Flughafen bauen darf (250 Mio.!). Und er ist Aufsichtsratschef eines riesigen Herstellers holzverarbeitender Maschinen, der sehr aktiv in China ist. Die Spiele finden wohl kaum in China statt, damit man dort mit Hilfe der “stillen Diplomatie” die Menschenrechte verbessert, vielmehr locken die wachsenden Märkte. Was will man also erwarten? Da ist doch eigentlich auch die Empörung nur verlogen…

HERBERIA / TOURIST

TouristAlso ich finde deine Frage respektlos gegenüber der Idee der Spiele und gegenüber allen Sportlern. Dass solche Ereignisse große wirtschaftliche Aufträge nach sich ziehen kann man ja wohl an einer Hand abzählen. Die Zusammenhänge an sich kenne ich nicht - habe aber auch schon gehört, dass die chinesische Regierung das Olympische Komitee geschmiert haben soll, damit es nach Peking kommt. Aber wir sollten bei den ganzen Skandalen noch etwas Raum für den Sport lassen. Wenn man nun alles verteufelt, wird es ja auch nicht besser….

STANDEPETRA / TOURIST

Gut, Herberia, dann sprechen wir mal nicht über Menschenrechte sondern über den Sport. Wie war das noch mal mit Doping und Doping-Opfern? Bis unter die Ohren mit Hormonen vollgespritzte Menschen ringen darum, noch eine Zehntelsekunde schneller zu rennen als im Vorjahr. Also irgendwie will mein Herz nicht höher schlagen, wenn es um die Olympischen Spiele geht…

GURKIBAER / INSIDER

Insider«Gut gemeint ist immer falsch». Wenn heute Chinesen westliche Verhaltensweisen trainieren müssen, die ihrer Kultur zuwider sind, um westliche Gäste auf westliche Art empfangen zu können, wenn für eine Sportveranstaltung ganze Strassenzüge eingeebnet werden, wenn Religion und althergebrachte Kultur ihren Platz nur noch im Museum oder in Disneyland-ähnlichen Orten haben, wird sich dies früher oder später rächen – mit oder ohne Politiker an der Eröffnungsfeier. Seit 40 Jahren fühlen sich die Tibeter in der Ausübung ihrer Religion bevormundet; nun nutzen sie die Gunst der Stunde, um dagegen aufzubegehren. Von anderen Orten erfahren wir viel weniger. Die NZZ ist da eine der wenigen Ausnahmen, die aus dem Reich der Mitte ab und zu ungeschönigt berichten.

Link: http://www.cosmotourist.de/reisetipp/54237/china/olympia-boykott/